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Dienstag, 14. Oktober 2014

Schal mit der Hertel & Richter

Sie ist und bleibt eine Mimose, die Hertel&Richter. Aber ich gebe ja nicht auf und versuche immer noch, ihre Geheimnisse zu erkunden.
So konnte ich mittlerweile doch einen weiteren Schal stricken, ohne groß an Schwierigkeiten zu verzweifeln. Sie produziert zwar immer noch ein Gasse im Bereich der 0- Nadel, aber auch mehrmaliges  Austauschen der Nadeln ( von  10 li  bis 10 rechts) hat keine Besserung gebracht. Also akzeptiere ich nun diese kleine Schwäche als persönliche Note, weil ich einfach nicht weiß, was ich sonst noch tun kann.


Das Garn: 100% Merino, LL 28/2, davon 1 Faden, rechts-rechts über alle Nadeln. Anschlag mit 140 Nadeln auf beiden Betten.
An ein breiteres Stück wage ich mich noch nicht heran.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Sie bringt mich um!

Sie ist störrisch, widerborstig, stur, empfindlich wie eine Mimose, zickig…. mit anderen Worten:
eine äußerst schwierige Mitbewohnerin und alles andere als umgänglich.

Nun habe ich wochenlang versucht, ihr wieder ein manierliches Aussehen zu geben…denn sie war ja recht heruntergekommen; habe sie von ihrem staubigen Keller-Dasein erlöst, ihr einen Platz im Licht verschafft und dafür andere Mitbewohner der Familie Brother erst einmal ins Exil verbannt, nur damit sie für ihre ausladenden Maße ausreichend Platz hat. Und? Was ist der Dank dafür????

Sie sperrt sich!
Sie verweigert den Dienst! 
Sie lässt Maschen fallen, wann immer es ihr passt und ist nicht einmal Willens, mir zu sagen, warum sie das tut.

Liebevoll und sanft löste ich ihre Roststellen, streichelte sie mit weichen Lappen, um die alte, stinkende, schwarze  Schmiere zu entfernen, cremte sie mit Maschinenfett ( eines, das sie kennt, wohlgemerkt), säuberte Schrauben und 790 Nadeln, tauschte alle Nadeln aus, die nicht mehr in Ordnung sind, und die haben eine Menge Geld gekostet. Rannte mir die Hacken ab, um Drähte für Maschenkämme zu finden, habe mit Gott und der Welt telefoniert, um an passende Deckerkämme, Maschenkämme, Gewichte und sonstiges Zubehör zu kommen…ganz zu schweigen von einer Anleitung, die mir Einblick in ihren tiefen Geheimnisse gewähren könnte. Fand eine Frau in Deutschland, die sich bestens mit den Damen Hertel & Richter auskennt und die mir telefonisch zur Seite steht, wenn’s brennt....und es brennt ständig!
Außerdem bekommt sie endlich mal bestes Material zu stricken und nicht, wie in den 60ern üblich, reine Polyacryl Garne.
Trotzdem… es ist nichts zu machen.

Ok! Fehlerfreie Probeläppchen gestattet sie, auch in verschiedenen Techniken.
Doch wenn es darum geht, ein ganzes Vorder- oder Rückenteil zu stricken, macht sie einfach nicht mit. Sie will nicht.

Denkt sie vielleicht, ihr Ruhestand war verdient und sie sei jetzt einfach so weit, nie wieder arbeiten zu müssen???? Hat sie Recht??? Muss man in ihrem Alter noch schuften??? Leider gibt sie mir keine genaue Auskunft über ihren Jahrgang, aber irgendwas um 1950 müsste es sein. Bei meinen ersten Nachforschungen dachte ich, sie sei in den 1920ern geboren, aber diese Annahme musste ich revidieren. Und wenn sie Jahrgang 1950 ist, dann ist sie mal eben läppische 4 Jahre älter als ich und hat, rein theoretisch, noch gar kein Recht auf Rentner- Dasein. Ich arbeite doch auch noch. Bis 67!!!!! ( oder auch nicht J )

Also….was tun????
Gemäß dem Wahlspruch meiner Mutter: „Nur kein Wasser geben, die kommt von selber wieder zu sich“ strafe ich Frau Hertel nun mit Ignoranz…jedenfalls für ein paar Tage.

Die Mitglieder der Familie Brother danken mir die zurückgewonnene Aufmerksamkeit und strengen sich mächtig an, mir was Brauchbares von der Maschine zu werfen. Wenigstens ist auf diesen Teil der Familie Verlass.

Meinen liebevoll für sie erdachten Namen "Oma Hertel" habe ich mittlerweile wieder gestrichen. Ein distanziertes "Frau Hertel-Richter" ist zur Zeit mehr als genug. 
Wenn sie zickt, darf ich das doch auch, oder?



Sonntag, 6. Oktober 2013

H & R Projekt 2: ein Schal

Sie ist eine Diva!
Eine, die sich ihre Geheimnisse nicht so ohne weiteres entlocken lässt.
Mal ist sie leichtgängig und geschmeidig, mal störrisch und will sich um keinen Deut bewegen.
Aber warum????
Ich kann es nicht ergründen....noch nicht, jedenfalls!
Gestern versuchte ich einen simplen Schal zu stricken.
Schon beim Anschlag war sie widerborstig und wollte mein liebevoll ausgesuchtes Garn nicht nehmen. Und dabei war es eine feine Merino Wolle.
Nach dem x-ten fehlgeschlagenen Versuch habe ich kapituliert und das alte synthetische Testgarn genommen und plötzlich lief alles wie von selbst. Habe ich doch etwas anders gemacht? Eine kleine Einstellung vielleicht?  Bewusst habe ich nichts verändert...aber man kennt das ja. Wenn man genervt ist und nicht mehr so aufmerksam, kommt es schon vor, dass einem ein anderer Handgriff gar nicht auffällt.
Am Ende habe ich mich dann doch mit ihr ausgesöhnt, denn der Schal im Vollpatent wuchs Reihe für Reihe fast fehlerlos. Einmal riss der Faden, aber das war schnell repariert.
Oben angekommen, versuchte ich, die Maschen vom Vorderbett auf das Hinterbett umzuhängen, damit ich abketten kann.
Auch das eine Herausforderung, die ich dann mitten drin abgebrochen habe. Es gibt keine Doppelöhrnadel und man muss "aufstoßen". Das heißt: Du nimmst die vordere Masche auf einen 1er- Decker, schiebst von hinten die Nadel des Hinterbettes in die Schlaufe und ziehst dann den Decker wieder raus. Der vorherige Besitzer sagte mir, dass diese Methode viel schneller sei, als das Umhängen mit der Nadel. Ich kann das kaum glauben, aber vermutlich ist es wieder nur Übungssache.
Ich habe nach dem Abwerfen die Maschen leicht gedämpft, mit einer Stopfnadel auf einen separaten Faden aufgefädelt und später mit einer feinen Häkelnadel abgehäkelt. So ist eine schöne Kante entstanden, die man vorzeigen kann.



Sonntag, 29. September 2013

die erste Mütze mit der Hertel & Richter

ein Schrei ging durchs Haus, als ich endlich heraus bekam, wozu die mittleren Hebel im Schloss von "Oma" dienen und wie man sie benutzt.
Heute war ich total übermütig und musste irgend etwas stricken, das nach Kleidungsstück aussieht.
Ich wollte wissen, wie das ist, mal mit mehr Maschen zu arbeiten. Bis jetzt hab ich ja nur Probeläppchen fertig gebracht.
Also dann ran :-)
Anschlag mit 320 Nadeln hinten und vorne für 1R/1L, umstellen auf Halbpatent...also Perlfang und 230 Reihen stricken. Das ergibt ein Rechteck von 60 cm Breite und 36 cm Höhe.
Nach etwa 120 Reihen stricken rechts etwa 10 Nadeln nicht mehr ab und der Blick unter die Maschine zeigt mir, dass der Abzug nicht mehr stimmt. Also flott ein paar Gewichte von der Brother geholt und eingehängt und weiter gings.
Oben angekommen habe ich nicht abgekettet, sondern einfach nur abgeworfen und die offenen Maschen etwas gebügelt.
Danach wurde an der Nähmaschine mit Overlockstich die Seitennaht geschlossen und ab der Mitte  beidseitig eine"Kurve" für die Kopfform genäht. Die offene Mitte wurde mit einem Faden einfach zugezogen und bekommt natürlich heute Abend zur Verschönerung noch ein Bömmelchen.




Nach diesem ersten Versuch habe ich noch mehr Respekt vor den Strickerinnen vergangener Zeiten. Das Schieben des Schlittens ist keine leichte Übung.
Ich nenne es in Zukunft nur noch: mein persönliches Work-Out ;-)

Sonntag, 1. September 2013

Oma ist eingezogen

Oma?
Ja, genau, denn geboren ist sie nach Aussage des vorherigen Besitzers vermutlich in den vierziger Jahren und hat somit durchaus die Berechtigung, diesen Kosenamen zu tragen.

Sie ist eine geborene Hertel &Richter Hand- Flachstrickmaschine Typ HRA II  und hat ein Spezial-Schlauch-Patent-Fang-Noppenschloss.

...ein herrliches Wort. Ich bin sicher...in ein paar Monaten weiß ich auch bestimmt, was das bedeutet!
Momentan bringt es mich jedoch nur zum Schmunzeln.

Wie sie in mein Leben kam, habe ich ja schon in einem anderen Post beschrieben.

Gestern ist sie also nun umgezogen und hat sich leider auch ein (Stand-) Bein gebrochen. Aber Gott sei Dank nur an einer Stelle, an der man es mit kleinen Metallplatten schienen konnte und somit ist ihre Standfestigkeit nicht im Geringsten beeinträchtigt.

Sorgen macht mir ihr Zustand aber dennoch.
Wir kennen ja alle den Satz: wer rastet, der rostet-  und sie hat lange gerastet.
So habe ich  den Sonntag damit zugebracht, erst einmal das Gröbste an Verunreinigungen und Patina zu beseitigen und kann mich nun an die Fein-Säuberung machen- aber nicht ohne die ersten Bilder zu zeigen :-) ich glaube, man  nennt das Besitzerstolz.



Mit ihr zog auch noch einiges an Zubehör ein.
Eine Spindel, wenn mal ein Strang Wolle gewickelt werden muss....




und ein Wollwickler mit den entsprechenden Konen, die allerdings wohl auch zum Kegeln gebraucht werden können oder beispielsweise als Verteidigungswerkzeug  bestimmt nicht schlecht sind.




Wieviele Nadeln die Maschine hat, habe ich noch nicht gezählt. Das kommt, wenn ich sie rausnehme und sauber mache. Aber es sind viele...sehr viele.
Hier mal ein Größenvergleich zur Brother 930 Nadel:


Es gibt Hochfußnadeln und Tieffußnadeln, die nur dann gestrickt werden, wenn der entsprechende Hebel in die richtige Position gebracht wurde.
Hier noch der Decker Vergleich:


Soweit der Lagebericht...ich versuche jetzt mal, Omas Strickgeheimnisse zu lüften, denn die Bedienungsanleitung gibt nur recht dürftige Auskünfte....um genau zu sein...keine, was die Stellung der vielen Hebel betrifft. Wieder hilft  nur die Devise: Probieren geht über studieren.
Eines habe ich wenigstens schon begriffen: die oben am Schloss zu sehenden schwarzen Knöpfe sind im Prinzip die Hebel analog zu den Part- und Tucktasten der Brother. Und das Einfädeln klappt auch schon :-)
Na...wenigstens was.

Fortsetzung folgt.



Am Abend noch mal den Anschlag geübt und tatsächlich einen hinbekommen. Allerdings hab ich schon ein paar Nadeln geschrottet. Ich denke, es liegt daran, dass sich die Tieffußnadeln nicht weit genug nach unten schieben lassen, weil soviel Dreck in der Nadelschiene ist. So guckt bei einigen immer noch die Nadelzunge ein wenig raus, die dann sofort verbogen ist, wenn der Schlitten drüber fährt. Also doch erst eine Generalreinigung! Es sind ja nur 780 Nadeln oder so :-(

02. September
Kontakt aufgenommen mit dem Nadel-Hersteller Groz Beckert. Was für ein Glück, die Firma existiert noch!!!! Vielleicht bekomme ich Ersatznadeln.

Sämtlich Mittelchen gesucht, die helfen, den Rost zu entfernen und angefangen zu schrubben.
 Erste Ergebnisse:

Ich hab gerubbelt und gerieben und was nicht abgegangen ist, ist sitzen geblieben :-)


93 von 780 Nadeln gereinigt und wieder ins Bett gelegt. 
Ich fürchte, es wird Winter werden, bis ich das erste Stück stricken kann :-(



12. September:
Neue Nadeln bestellt bei Groz und Beckert :-)

Freitag, 12. Juli 2013

Die alte Dame

Während ich das hier schreibe, zittern mir immer noch die Hände und  ich sprudele förmlich über.

Aber von vorne:

Heute mittag machte ich mich auf den Weg, den Vater einer Bekannten zu besuchen, der sein Arbeitsleben in Strickwaren Fabriken verbracht hat. Dort hat er die Maschinen gewartet und bemustert.

Zu Hause hat er dann natürlich auch die ganze Familie bestrickt und ich habe mir erhofft, aus diesem Gespräch noch etwas zu lernen. Der Nachmittag verging viel zu schnell und nebenbei bemerkte er, dass er eine seiner Maschinen auf dem Schrottplatz entsorgt habe, weil keiner sie wollte, eine andere sei einer Dame gegeben worden, die noch etwas damit anfangen konnte und eine sei noch im Keller.
Natürlich sind wir hinuntergegangen und da stand sie.

 Etwas in die Jahre gekommen und angestaubt, aber immer noch heil und funktionstüchtig.
Schnell war ein Faden eingespannt und schon wurde gestrickt. Nicht so leichtgängig, wie bei meiner Brother, denn nach so langem Stehen sind ja die "Gelenke" ein wenig steif. Aber ordentlich und fehlerlos.

...und wenn man diese Hebel bedient, strickt sie rund und so ist halbrund und so geht Patent und so geht Fang und so rechts/ rechts und hier sind die Hochfußnadeln und Niederfußnadeln gibt es auch.

So ging es mehr als eine Stunde und der alte Herr war richtig in seinem Element.
Jeder Handgriff saß. Das verlernt man wohl nie.
 Und dass er die Dame mit dem Namen "Universal" liebt und in und auswendig kennt, war nicht zu übersehen.

Irgendwann sagte er: "Nein, nein, ich stricke nicht mehr. Ich hab genug gestrickt".
Daraufhin nahm ich mir ein Herz und sagte: "Wenn Sie sich mal trennen wollen, dann sagen Sie mir bitte bescheid. Ich würde der ehrwürdigen Dame sehr gerne ein neues zu Hause geben. So etwas darf nicht auf dem Schrottplatz landen."
Und was soll ich sagen: ohne auch nur eine Sekunde zu zögern blickte er mich an und sagte:
"Ich schenke sie Ihnen. Bei Ihnen wird sie in guten Händen sein, das weiß ich".
Mir stockte der Atem und jetzt, wo ich wieder zu Hause bin, kann ich immer noch nicht fassen, dass er sich strickt geweigert hat, dass ich ihm dafür etwas bezahle. "Das wäre nicht das Selbe" sagte er und lächelte.

Was für eine Freude!
Nun wird sie also demnächst bei mir einziehen und ich muss mich ranhalten, einen guten Platz für sie zu finden, denn....klein ist sie nicht!



Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, den ersten Faden einzufädeln und sie genauer kennenzulernen.